Ein rätselhaftes Porträt
Kennen Sie dieses Bild? Es hängt auch im Raum mit den vielen Selbstporträts – doch wer darauf zu sehen ist, bleibt unklar. Die Fachwelt ist sich uneinig, ob es Vincent oder Theo van Gogh zeigt. Beide Brüder wurden als sehr ähnlich im Aussehen beschrieben. Ein entscheidender Beweis fehlt bis heute.
Das Porträt ist ungewöhnlich klein, vermutlich ein Einfluss der Fotografie, für die solche Formate typisch waren. In einem Brief erklärte Vincent sich seinem Bruder am 14. Dezember 1885: »Und ich gebe meine Idee von den Porträts nicht auf, […] um den Menschen zu zeigen, dass es noch etwas anderes im Menschen gibt als das, was der Fotograf mit seiner Maschine aus ihm herausholen kann.«
Damit nimmt Van Gogh die Sehnsucht vorweg, mit seiner Malerei das festzuhalten, was ›ist‹, nicht das, was ›zu sehen ist‹. Für dieses Ziel bricht er mit den formalen Regeln, mit denen Malstile definiert werden.
Öl auf Karton, 19 x 14 cm
Van Gogh Museum Amsterdam, Niederlande
Theo van Gogh war es, der seinen Bruder Vincent überzeugte, Maler zu werden. Er unterstützte ihn in allen Lebenslagen und war als Kunsthändler in Paris immer am Puls der Malerei. Während seiner Zeit in Paris wohnte Vincent bei seinem Bruder. Es war auch Theo, der Paul Gauguin überzeugte, Vincent in dessen gelbem Haus zu besuchen. Und auch dass Vincent am Ende seines Lebens nach Auvers-sur-Oise bei Paris zog, war der Fürsorge und Liebe des allgegenwärtigen Bruders zu verdanken.
Theos Sohn, Vincent Willem van Gogh, führte das Lebenswerk seiner Eltern fort. In den 1960er Jahren unterstützte er die Gründung eines Museums, das Van Goghs Werk dauerhaft zugänglich machen sollte, und übergab das gesamte Erbe der ›Vincent van Gogh Stiftung‹. 1973 wurde das Van Gogh Museum in Amsterdam eröffnet, das bis heute die weltweit größte Sammlung seiner Werke beherbergt.
aufgenommen 1889 in Paris
»Du siehst, was ich gefunden habe, meine Arbeit; Und Du siehst auch,
was ich nicht gefunden habe, alles andere was es zum Leben braucht.«
Brief (249) an Theo, Juli 1882